Absage für Bocuse d’Or

Vielleicht hat im Kindergarten niemand mit ihm gespielt oder er wurde im Turnunterricht immer als Letzter ausgewählt. Das sind nur zwei Meinungen, die im Moment die Runde in der österreichische Branche machen, warum Toni Mörwald in einem Anflug einer spätpubertären Phase seine Kollegen sabotiert. Fakt ist, dass durch die Intervention von Mörwald Österreich nicht an dem Bocuse d’Or Europe 2012 im März in Brüssel teilnehmen wird, somit keine Chance auf den Einzug ins Finale hat: dem Bocuse d’Or im Jänner 2013 in Lyon, und damit mindestens zwei Jahre von der kulinarischen Bildfläche des renommiertesten internationalen Gastronomie-Wettbewerbes verschwindet.

Der wahre Grund, so meinen einige Spitzenköche, liegt nicht wie vermutet in Toni Mörwalds Kindheit, sondern, dass ihm heuer das französische Komitee seine Vollmachten und den Titel „Bocuse d’Or Autriche“-Präsident aberkannt haben und Paul Bocuse himself Rudi Obauer wieder mit dem Vorsitz des Österreichischen Bocuse d’Or Komitees beauftragte. Das ging Mörwald anscheinend gegen den Strich und er intrigierte unaufhörlich in Frankreich.

Währenddessen stellte der international etablierte Spitzenkoch Rudi Obauer ein Konzept inklusive einem Großteil der Sponsoren auf die Beine, unterstützte den Bewerb mit seiner Seniorität und scharte die heimische Kochelite für das ehrenamtliche Österreichische Komitee um sich. Unter anderem mit von der Partie des Ehrenkomitees waren sein Bruder Karl Obauer, Heinz Reitbauer und Joachim Gradwohl, dessen langjähriger Sous Chef und jetziger Küchenchef in der Skybar, Thomas Göls, als vielversprechender Kandidat für den Bewerb genannt wurde. Als Coach stellte sich Thomas Dorfer vom Landhaus Bacher zur Verfügung, der
2005 unter der Präsidentschaft von Rudi Obauer den sechsten Platz beim Bocuse d’Or errungen hatte. Den besten, den Österreich jemals erreichte. Dieser ist nun dementsprechend enttäuscht: „Als Rudi mir sagte, dass er wieder am Ruder sitzt, bin ich sofort mit an Bord gewesen. Dass es nun nicht klappt und so eine große Möglichkeit verschenkt wird, ist mehr als traurig.“

Anstatt sich nach seiner erfolglosen Kurzzeit-Präsidentschaft einzugestehen, dass Rudi Obauer der bessere Kandidat für diese Position ist, gelingt es Mörwald durchzusetzen, dass Obauer mit ihm gemeinsam das österreichische Komitee anführen soll. Was für den 4-Hauben-Koch aus verschiedenen Gründen aber keine Option ist. Nach einigen Diskussionen und langem Hin und Her tritt dieser nun von der Präsidentschaft zurück. „Auf dieses kindische Verhalten habe ich keine Lust. Wenn ich etwas mache, dann ausschließlich professionell und mit zuverlässigen Partnern“, so Obauer. Auch Thomas Dorfer ist derselben Meinung: „Toni Mörwald hatte seine Chance, er hätte es gut sein lassen sollen.“ Das, was Mörwald bisher in seiner Verantwortung für den Bocuse d’Or geschafft hat, ist: nichts, außer Österreich mit seinem Verhalten zu diskreditieren. Unter seiner Präsidentschaft bestand das Komitee aus Werner Matt, der zum Coachposten kam, wie die Jungfrau zum Kind, und sein Kandidat Roland Huber wurde zu wenig und zu kurz vorbereitet – trotz allerlei Ankündigungen. Die Branche hätte aber bereits einen Vorschlag für eine Zweitkarriere Mörwalds beim Bocuse d’Or: Als Kombidämpfer. Da führt die viele heiße Luft wenigstens zu einem guten Ergebnis.

Thomas Göls

Er war der vielversprechende Kandidat für die Ausscheidung beim Bocuse d’Or Europe 2012.

Was sagen Sie zu dem plötzlichen Aus für Ihre Österreich-Teilnahme am Bocuse d’Or?

Thomas Göls: Das hat mich sehr hart getroffen, denn ich weiß, welche großartigen Möglichkeiten wir hatten. Alle Strukturen waren bereits mit Coach Thomas Dorfer besprochen, die Sponsoren sind gestanden, die Unterstützer wie Heinz Reitbauer und Joachim Gradwohl, allen voran natürlich Rudi Obauer, gaben dem Wettbewerb das richtige Fundament und ich war bereits voll in der Vorbereitung.

Ist ein Antritt unter dem eventuell Wieder-Da-Präsidenten Toni Mörwald für Sie vorstellbar? 

Göls: Beim Bocuse d’Or werde ich nur antreten, wenn die Weichen so gestellt sind, wie es jetzt der Fall war. Auf Sand und leeren Versprechungen lässt sich Erfolg nicht aufbauen, das hat die Vergangenheit gezeigt.

Fotos: Werner Krug, Stöcher


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