„Dottore, Pasta&Amore“

Vielfältiger Lesespaß, nicht ohne Tiefgang. Man liest überrascht, wie es dem Autor gelingt, Phänomene menschlichen Verhaltens nachzubilden, zu besprechen und kurz und knapp zu analysieren. In charmanter und lockerer, manchmal durchaus witzig-kesser Schreibe gelingt es Coriano, Geheimnisse ebenso aufzuklären, wie Hierarchien und Usancen in italienischen Restaurants. Aber auch Nuancen und Dinge, die beim „Italiener“ gehen und solche, die man besser bleiben lässt. Und das betrifft Gast und Kellner gleichermaßen. Coriano erzählt von seinen ersten Schritten, die ihn fast als Stammspieler in die 2. Bundesliga geführt hätten, vom Eiscafé der Eltern in der Nähe von Paderborn. Er schwärmt, ganz Italiener, von schnellen Autos und schönen Frauen. Aber inzwischen ist er glücklich verheiratet. Auf diesen 219 Seiten bildet er Szenen nach, die jeder schon mal erlebt hat, aber über die man meist nie weiter nachgedacht hat. Das erledigt Coriano punktgenau, und immer einer nötigen Portion Distanz zu sich selbst. Er hat ein Stück Psychologie des Alltäglichen beschreiben. Das Leben und das Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen in der Nische Ristorante.

Coriano wäre a.) kein Italiener und b.) kein Kellner, der -notabene-auch ein begeisterter Koch von Mammas Gnaden ist, wenn er nicht noch einen kleinen Basiskochkurs für die Italienische Küche parat hätte. So wird sein Buch am Ende doch noch zu einer kleinen Kochhilfe, weil er in knappen Sätzen dem Leser einige weitverbreitete Missverständnisse austreibt. Mit den Rezepten von ein paar ganz einfachen Klassikern aus der Küche seiner (wieder in Süditalien lebenden) Mama beschreibt er, wie eigentlich jeder die Grundzüge der Italienischen Küche lernen kann.

Und zum Abgleich des Erlernten, sollten Leserin und Leser dann aber doch zu dem Italiener ihres Vertrauens gehen. Wie die dezenten, aber bestimmenden Rituale in dem Mikrokosmos Ristorante ablaufen und/oder abspielen (können), wie sie tradiert sind,  das begreift man, wenn man die sehr unterhaltsam beschriebenen Szenen, in Corianos Buch studiert hat. Vor allem das Eine: Ohne die Kellnerbrigade, die nach eigenen und doch allgemein für ihre Zunft gültigen Regeln, ihren meist hochstressigen Job erfüllt geht gar nichts. Mit charmanten Floskeln und Redewendungen der Kellner verziert, wäre unser aller Italiener kein Italiener. Und der Kellnerbrigade, ebenso wie dem allgegenwärtigen und dezent allmächtigen Chef, dem Padrone, können wir getrost unsere „Amore“ gönnen, ob wir nun Dottore sind oder nicht, Pasta essen oder nicht. Wir sollten, falls wir es verlernt haben, uns wieder als Genussmenschen der Italianità zu erkennen geben. Auch dafür ist Corianos Buch ein Plädoyer. Mille grazie dafür.

Alexander Wischnewski

2014, Westend Verlag Frankfurt am Main,

ISBN 978-3-86489-059-8

Softcover, 229 Seiten; 9,99 € ( D ) ; 10,30 ( A )

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